|
Unter diesem Cover wurde die Geschichte von eBook-Media veröffentlicht. |
|
PDF-Format
für den Adobe Reader (Kopierschutzfrei) Erhältlich für den Sony Reader (ePub-Format)
Für das iPhone und
iPod Touch, auch bei Apple im iTunes Store. Infos auch hier:
Erhältlich für den Mobipocket Reader Weitere E-Book Shops in Deutschland // E-Book Shops in der Schweiz // Eine, nicht vollständige, Liste der Libri eBook-Händler ISBN |
![]() |
Unter diesem Cover ist die Geschichte erhältlich,
für den Microsoft-Reader Für den CodeMeter-Stick bei: Codemeter.de
|
Tausend Jahre Eden Inhaltsverzeichnis . . 1.
Prolog Erde im Jahr 3200Seit
nahezu eintausend Jahren lebten die Menschen nun schon in einer
gewaltlosen, friedlichen, neidlosen und ehrenvollen Welt. Es war eine
Welt die nicht auf Lüge aufgebaut war. Es war eine Zeit die ohne
Geld, Macht und Reichtum auskam. In diesem Paradies musste niemand mehr
hungern und niemand war mehr arm. Niemand wollte seinen Glauben mit
Feuer und Schwert verbreiten und niemand wollte seinen Nächsten, auf
irgendeine Art, besiegen. Wörter wie Mobbing
oder Intrige, gab es nicht mehr. Doch das Böse sollte nach tausend
Jahre Frieden, wieder erwachen. Die Gesetze und Regeln, die tausend
Jahre Frieden ermöglichten, wurden plötzlich angezweifelt. Einige
Menschen glaubten, dass nun die Zeit gekommen sei, um neue Wege zu
gehen. Trotz aller Warnungen sonderten sie sich ab, um unabhängige
Weltraumstädte zu bauen. Als diese endlich fertig waren, begann eine
unheilvolle Zeit. Die neue Gesellschaft war schwer zu beherrschen. Die
Menschen ließen sich von alldem verführen, was in eintausend Jahren
Frieden verboten war. Es wurden grauenvolle Verbrechen begangen.
Menschen wurden als Sklaven an außerirdische Wesen verkauft, die
Gladiatoren und Tiere für ihre Inselarena suchten. Andere Menschen
wurden von wahnsinnigen Wissenschaftlern entführt, weil sie mit ihnen
experimentieren wollten. Sie brachen alle Regeln der Vernunft und Moral. Sie besetzten einen Planet und missbrauchten die Eingeborenen.
Diesmal war es kein Erzengel oder Gott, der die Menschen aus dem
Paradies vertrieben hat: sie waren es selbst. In der ersten Hälfte der
tausendjährigen Friedenszeit, erhielten die Menschen Hilfe von außerirdischen
Mächten. Doch diese Völker schwiegen seit fast 500 Jahren. Es gab keinen Kontakt mehr zu
ihnen. Die Menschen erkannten die Gefahr nicht, in der sie schwebten. Sie waren
nicht imstande, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Alte Bücher
und Geschichten aus der Vorfriedenszeit beachteten sie nicht mehr. Sie
glaubten, dass sie die Fehler der Vergangenheit niemals wieder begehen würden.
Sie hielten sich für vollkommen. Wer sollte nun den Menschheit die
Augen öffnen?
2.
Die Märchenwelt der Erde Erde im Jahr 3205Als
Vanessa noch ein Kind war, konnte sie nicht begreifen, wie sich ihre
wunderschöne Welt langsam veränderte. Ihr Vater nahm sie oft mit, wenn
er mit seinem Fluggleiter über die wunderschönen riesigen Wälder
flog. Vanessa liebte besonders abends diese Flüge, wenn man die Lichter
der goldgelben Wohnpyramiden sah, die mit Glasröhren miteinander
verbunden waren. Es war ein Anblick, als hätte man der Erde ein
besonders wertvoll goldglänzendes Schmuckstück angezogen. Natur und
Mensch existierten miteinander, als wäre es nie anders gewesen. Flora
und Fauna waren so gesund und schön, wie es in einem Paradies nur sein
kann. Eine Ausnahme waren die Märchenschlösser und Hexenhäuser. Ja,
es gab Zwerge, Gnome, Kobolde, Feen und Elfen. Die Menschen hatten sich
eine Märchenwelt mit Fabel- und Comicwesen geschaffen, wie es früher
nur in der Fantasie von Kindern, Geschichtenerzählern oder
Kinderbuchautoren möglich war. Aber in dieser Zeit waren all diese
Wesen Androiden - ohne Geist und eigenem Bewusstsein. Dennoch
funktionierte diese Fabelwelt so gut, wie eine von Gott geschaffene Märchen-
oder Comicwelt. Die Erde war ein riesiges verspieltes buntes
Abenteuerland geworden, das nach genauen Plänen und Regeln
funktionierte.
Doch, da der Mensch nie zufrieden war, sollte es schon bald
anders kommen. Als Vanessa abends von ihrer Mutter zu Bett gebracht
wurde, hörte sie im Wohnbereich ihren Vater mit Leuten reden, die sie
nur von Sehen kannte.
„Ihr werdet sehen“, hörte sie ihren Vater sagen, „es ist
ein Fehler eine unabhängige Stadt im All zu bauen. Seit tausend Jahren
gibt es drei Milliarden Menschen, die in Frieden miteinander leben.
Es steht sogar in unseren alten Büchern: Wenn wir unvorsichtig
werden, wird der Drache wieder erwachen.“
„Ach Peter, du bist ein Schwarzseher“, antwortet Atan. Er war
der Bürgermeister des Stadtbereich Ariel, in dem Vanessa mit ihren
Eltern wohnte.
„Was soll denn schon geschehen, wenn auf dem Jupitermond Europa
eine Stadt errichtet wird. Dann können die dortigen Bewohner auch
besser den Mond Terraformen.“
„Atan, du sagst es; Terraforming wurde Jahrhunderte lang
verboten, nun wird es wieder angewandt. Das ist auch ein Fehler. Habt
ihr all die alten Schriften vergessen?“
„Wir haben nichts vergessen und es will ja auch niemand etwas
an unserem System ändern. Wir werden weiter jeden Monat einmal in der
Gruppe beichten. Wir werden weiter unsere gesteuerten Traumtests machen,
um in einer virtuellen Welt zu sehen, wie wir in einem anderen Leben und
einer anderen Zeit gehandelt hätten. Wir können uns aber von diesen
Regeln nicht so stark eingrenzen lassen, dass wir unsere eigenen Gefängniswärter
werden. Das langweilig brave Leben auf der Erde ist beendet. Die Leute
wollen etwas erleben. Lass ihnen doch den Spaß!“
„Es war einmal ein Volk, das lebte an einer tiefen Schlucht“,
begann Peter zu erzählen. „Früher benutzte das Volk eine wacklige Brücke,
um auf die andere Seite zu kommen. Doch es stürzten ständig Leute in
die Schlucht. Dann umgingen sie die Gefahr. Es passierte nie wieder ein
Unglück.“
„Dann müssen wir eben eine neue Brücke bauen“, antwortete
Atan. „Kann sein, dass dann wieder, beim bauen der Brücke, etwas
passiert. Wenn sie aber fertig ist, haben wir für immer Ruhe.“
„Glaubst du wirklich, dass die Menschen schon bereit sind, eine
neue Brücke zu bauen? Ich nicht. Sie wollen nur schnell auf die andere
Seite“, erklärte Peter. Nach diesen Worten war aus dem Wohnbereich nichts mehr zu hören. Ein paar Minuten später kam der Vater an Vanessas Bett. Er strich ihr zärtlich durch ihr hellblondes Haar. Seine ganze Sorge galt dem Leben seiner Tochter. Sie war ein Teil der Nachwelt. Ihr wird einmal das hinterlassen, woran seine Generation ein Leben lang gearbeitet hat. Leise und behutsam setzte er sich auf den Schemel neben dem Bett. Seine Gedanken gingen weit zurück in die Vergangenheit. Er dachte an die Zeit, als man die 40000 Menschen aus dem zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert aus ihrer eisigen Konservierung befreit hat. Es war das Jahr 2610. Diese Menschen kamen aus einer schlimmen Zeit. Als sie in der neuen Welt aufgetaut wurden, mussten sie lernen, nach den neuen Regeln der Vernunft zu leben. Die Menschen, die diese Regeln einst erstellten, hatten das Grauen noch vor Augen. Sie hatten am eigenen Leib gespürt, warum man solche Regeln brauchte. Sie führten die Beichte ein, bei der man nicht lügen konnte und jeder sagen musste, was er für Verbrechen begangen hatte. Sie testeten mit gesteuerten Träumen ihre Charaktereigenschaften. Sie wollten feststellen, wie sie in einem anderen Leben und in einem anderen Körper gelebt hätten. Das alles sollte sie vor Verbrechen, Krieg und Wahnsinn schützen. Gewaltgeschichten, Gewaltverherrlichung, harte Musik, alles was den Geist zum Schlechten beeinflussen konnte, war nicht mehr erwünscht. Sie wollten nicht in Versuchung geführt werden. Es war ein langer Kampf, bis die Befürworter dieses Systems eine neue friedlichere Zukunft errichten konnten. Es waren harte Regeln, aber ohne diese Opfer, war ein Leben in einem friedlichen Paradies nicht möglich. Das mussten auch damals die 40000 aufgetauten Menschen lernen. Aber das alles, war lange her. Die Schreckenszeiten erschienen den Menschen nur noch wie ein schlechtes Märchen, das nicht in ihren Märchenwäldern abgespielt werden durfte. Sie konnten kaum noch unterscheiden zwischen Märchen und Wirklichkeit. Alles war schon so lange her. Vielleicht hätte man die 40000 nie auftauen dürfen, um die Welt immer damit zu erschrecken. Langsam und vorsichtig erhob sich Peter und verließ das Zimmer seiner Tochter. Er war selbst ein Nachkomme eines dieser eingefrorenen Menschen. Sein Weg führte ihn ins oberste Zimmer der goldgelb gläsernen Pyramide. Er saß gerne hier. Auch er liebte den Blick hinaus in die wunderschönen Wälder, die vom Licht der Wohnpyramiden gelb erhellt wurden. Noch mehr liebte er den Blick hinauf zu den Sternen. Dort hin, wo die mächtigen Völker des Universums, ihr Zuhause hatten. Aber sie waren seit Hunderten von Jahren verborgen. Sogar die Sirianer meldeten sich nicht mehr. Nur noch die Togri und einige wenige andere Völker, die nicht weiter entwickelt waren als die Menschen, hielten noch Verbindung zur Erde. Aber auch die Togri wussten nicht, warum die mächtigen Völker sich nicht meldeten. Sie hatten sich noch mehr gewundert, denn auf ihrem Planet lebte das mächtige Shambhala-Volk, das eines Tages verschwand. Peter suchte sein ganzes Leben nach der Wahrheit. Vielleicht lebten diese Völker in einer Welt, die mit nichts zu vergleichen ist, was die Menschen je glücklich machte. War die Märchenwelt der Menschen nur kindische Spielerei, die sie in ihrer geistigen Entwicklung nicht weiter brachte? Eigentlich wünschte er sich, dass alles so bleibt, wie bisher. Denn zu mehr waren die Menschen derzeit nicht fähig. Nur wer einmal im Kerker saß, weiß die Freiheit zu schätzen. Die Menschen hatten diese Weisheit offenbar vergessen. Viele weise Menschen hatten im Laufe der Zeit weise Worte hinterlassen. Diese Weisheiten hatte man in den letzten Jahrhunderten genau studiert. Man wollte so werden wie die größten Dichter und Denker, die diese Zitate hinterließen. Solche weisen Zitate waren den Menschen kostbar geworden. Doch mittlerweile waren andere Dinge kostbarer. Es war wie im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert; als die Menschen, langsam aber sicher, an immer schrecklichere Ereignisse gewöhnt wurden. Das beeinflusste auch die Entwicklung ihrer Kinder, die nicht die Zeit hatten, sich langsam daran zu gewöhnen. Und so wurde die Welt damals immer schlimmer. Aber auch damals gab es Menschen, die diese Zeichen der Zeit erkannten. Peter hoffte für seine Tochter und deren Generation, dass es solche Menschen auch jetzt noch gibt.
Jupitermond Europa im Jahr 3208 Die
Planungen, eine zweite Welt neben der auf der Erde zu errichten,
dauerten lange. Alles musste bis ins kleinste Detail berechnet und
vorbereitet werden. Außerdem brauchte man Hilfe. Die Idee musste
Freunde gewinnen. Alleine konnten die ersten Visionäre ihre Idee nicht
in die Tat umsetzen. Im Jahr 2308 war es endlich soweit: man konnte mit
dem Bau der ersten unabhängigen Stadt beginnen. Alles war genau geplant
und vorbereitet. Mit einer offiziellen Eröffnung der ersten Stadt,
rechnete man aber erst im Jahre 3216. Erde im Jahr 3210 Vanessa
hatte eine sehr schöne Kindheit. Die Sorgen ihres Vaters teilten damals
nur wenige mit ihm. Sie lernte sehr schnell nach den Regeln zu leben,
die schon tausend Jahre Frieden bereiteten. Es war nicht immer einfach,
zur Beichte zu gehen. In der Beichtgruppe konnten die anderen
miterleben, was man zu bekennen hatte. Auch die Ethikschulungen waren
manchmal unangenehm. Die gesteuerten Traumtests, in denen man lernte wie
man in einem anderen Leben und in anderen Zeiten gehandelt hätte,
konnten schön, aber auch bitter sein. Aber die Kinder lernten, damit
umzugehen. Sie lernten Regeln zu akzeptieren, deren Notwendigkeit sie
noch nicht verstehen konnten. Sie lernten auch zu verzichten. Sie
lernten, dass jegliche Darstellung von Gewalt, die Seele verdirbt. Das
war der Ursprüngliche Gedanke, warum man immer mehr, auf die Geschichte
der Menschheit verzichten wollte. Sie wollten nur noch in Frieden leben.
Doch ohne die Bedrohung durch das Böse, kann es auch das Gute nicht
geben. Das wollten nur wenige Menschen wahrhaben.
Für die Kinder waren diese Regeln und Gesetze nicht einfach zu
befolgen. Die Versuchung, in den alten Geschichtsbüchern herum zu stöbern,
war bei einigen Kindern und Jugendlichen groß. Aber sie wurden immer
wieder vom Märchen- und Schlaraffenland abgelenkt. Die Abenteuerreisen
durch die Märchenwälder, in denen sie Kobolden, Gnomen oder
lustigen Comicwesen begegneten, waren überwältigend schön und
aufregend. Die Kinder sprachen oft tagelang davon, wenn sie mit der
Schule in den Märchenwäldern unterwegs waren. Man konnte nicht mehr
sehen, ob eine Blume oder ein Tier echt war, oder ob es sich um ein
technisches oder genetisches Wunderwerk handelte. Selbst Bäume waren
manchmal bioelektronische Wunderwerke, die in den Wäldern neben echten
Bäumen standen. Man durfte sich nicht wundern, wenn ein solcher Baum
einem Waldspaziergänger plötzlich, mit einem Ast, von hinten an die
Schulter tippte. Vanessas Generation verlernte somit den Sinn für
Wirklichkeit und Fiktion. Wie sich Kinder im zwanzigsten und
einundzwanzigsten Jahrhundert schnell an ihre brutale Welt gewöhnen
mussten; so gewöhnten sie sich an ihre seltsame Welt, deren Regeln und
Gesetze sie nicht verstanden. Dass Vanessas Eltern damals auch schon
Vorschläge erhielten, welcher Partner später besser zu ihr passt,
wusste sie nicht. Die Kinder wunderten sich auch nicht darüber, wie
ihre Gruppen zusammengestellt wurden. Sie wurden schon in frühester
Jugend mit den passenden Partnern zusammengebracht. Der Rest würde sich
dann sicher später einmal ergeben. Dabei war es durchaus gewollt, dass
sie sich auch körperlich näher kamen. Fruchtbar waren sie ohnehin erst
dann, wenn man ihnen Kinder genehmigte. Partnertreue war eher selten,
auch bei den Jugendlichen. Wenn die Märchenwälder sie nicht mehr
interessierten, hatten sie anderes zu tun. Diese Methode funktionierte
immer. Sie war Bestandteil der Regeln und Gesetze, an die man sich gewöhnt
hatte, und die bislang niemand in Frage stellte. So lernte Vanessa Ricky
kennen. Er war ein netter verträumter Junge, den man manchmal aus
seinen Tagträumen erwecken musste. Beide entdeckten schon sehr früh
ihr Interesse für die Geschichte der Erde. Man hat es ihnen allerdings
nicht leicht gemacht. Um in den Geschichtsbüchern und
Hinterlassenschaften der Menschheit zu forschen, mussten sie viele
Hindernissee überwinden. Man wollte nicht, dass sie sich mit den alten
Geschichten auseinander setzen. Die Menschen der neuen Zeit, verachteten
die schreckliche Vergangenheit. Sie glaubten, diese Schwächen, ein für
allemal besiegt zu haben. Darum wollte man nicht, dass sich jemand
ernsthaft damit beschäftigte. Umso spannender war es, wenn sie dann
doch eines der begehrten Bücher fanden. 3.
Geheimnisse der Vergangenheit Erde im Jahr 3214 Mit
vierzehn Jahren waren die beiden längst ein unzertrennliches Paar
geworden; obwohl das eher ungewöhnlich war. Je mehr sie die Regeln
ihrer Gesellschaft zu begreifen begannen, um so mehr forschten sie in
der Geschichte der Menschheit herum. Sie wussten jetzt schon mehr über
die Vergangenheit, als viele Erwachsene. Vanessa entwickelte sich zu
einem wunderschönen Mädchen mit hellblonden Haaren und leuchtend
blauen Augen. Ricky war ein selbstsicherer sportlich kräftiger Junge
geworden, der von seinen Altersgenossen mächtig respektiert wurde. In
ihrer Schule erkämpften sie sich, mit viel Überredungskunst und Mühe,
Zutritt zu einer alten Bibliothek. Mit Herzklopfen und ein wenig Angst
standen sie dann vor der mächtigen Holztür, die ihre Altersgenossen
nie und nimmer öffnen würden. Die Holztür knarrte laut, dann standen
sie in der alten Bibliothek. Sie standen vor mächtigen Steinregalen,
die so aussahen, als seien sie so alt, wie die uralten restaurierten Bücher,
die darin standen. Die Regale waren teilweise wie Treppenstufen gebaut,
sodass man an ihnen hochgehen konnte. Die Bibliothek war so
geheimnisvoll gebaut, wie eine uralte versunkene Urwaldstadt. Das einzig
Neue in diesem steinernen Monument waren die sieben kleinen
Reinigungsroboter, ohne die diese Bibliothek wohl nicht mehr existieren
würde.
„Mir ist ganz komisch im Bauch, Ricky“, sagte Vanessa nach
einer Weile des Schweigens und Staunens. Sie standen regungslos da und
bestaunten die riesige Bibliothek.
„Wo sollen wir da nur anfangen, Vanessa?“
„Ich suche religiöse Bücher. Mein Vater hat mir gesagt, es
gab mal ein Buch, das hieß: Bibel. Vielleicht find ich es hier. Ricky,
such du nach anderen religiösen Büchern! Das Leben der
Menschen, vor der Friedenszeit, wurde oft von diesen Büchern und deren
Regeln geprägt. Ich möchte wissen, was die Kriege damals ausgelöst
hat."
„Ob das die Religion war, weiß ich nicht, Vanessa. Aber wir
werden sehen. Wir wissen so gut wie nichts mehr über die alten Sagen
und Legenden, und kaum jemand weiß überhaupt noch, was Religion
bedeutet."
„Nun gut, wir werden uns heute sowieso nur etwas orientieren können.
Beim nächsten Mal wissen wir dann schon eher, wonach wir suchen müssen.“
Den Kindern war die Welt der Vergangenheit so fremd, wie die Welt
außerirdischer Wesen. Sie stöberten in den alten Büchern herum, als hätten
sie einen Schatz gefunden, der das letzte große Geheimnis der Menschen
in sich birgt. Sie lernten etwas über Heirat, was Geld war; sie fanden
Berichte über Religionen, Völker, Rassen und Kriege. Sie wunderten
sich über den Autoverkehr im zwanzigsten und einundzwanzigsten
Jahrhundert. Sie konnten nicht nachvollziehen, wieso die Menschen damals
ihren Lebensraum so stark verschmutzten und zerstörten.
„Weißt du, was eine Kirche war?“ fragte Ricky nach einer
Weile. Er blätterte in einem Buch, in dem verschiedene Gotteshäuser
aus vielen unterschiedlichen Religionen abgebildet waren.
Vanessa antwortete nicht. Mit bleichem Gesicht und in sich
zusammen gesunken, saß sie mit einem Geschichtsbuch in einer Ecke. Sie
blätterte im Mittelalter herum und las voller entsetzen, wie damals
Menschen zu Tode gequält wurden. Vanessa war entsetzt vor so viel
Grausamkeit. Sie ließ das Buch weinend fallen. Ricky brauchte eine
ganze Weile, bis er seine Freundin wieder beruhigt hatte. Als sie sich
entschlossen, zu gehen, und erst mal nicht wieder zu kommen, betrat ein
alter bärtiger Mann die Bibliothek. Es war Paulus, ein alter Zausel,
vor dem jeder warnte. Lange Bärte hatte keiner mehr. Und sonst war der
Alte auch mehr als seltsam. Um so erschrockener war Vanessa, als sie von
ihrem Vater erfuhr, dass der Alte mit ihnen verwandt war. Er gab den
Kindern ein faustgroßes weiß glänzendes Kristall.
„Wenn ihr euch für die Geschichte der Menschheit interessiert,
dann schaut in dieses Kristall! Ihr könnt euch dann wünschen, was ihr
sehen wollt. Aber Vorsicht! Fangt langsam an! Die Geschichte der
Menschheit ist sehr grausam. Ihr dürft euch nicht alles ansehen! Lasst
euch nur grob beschreiben, was geschehen ist! Das genügt."
Dann verschwand der Alte wieder. Vanessa und Ricky schauten das
Kristall an, als hielten sie den größten Schatz in den Händen, der
jemals auf Erden existiert hat. Als das Kristall zu leuchten begann, ließ
Ricky es vor Schreck fast fallen. Er legte es schnell auf eine
Regalstufe, als ob er sich die Finger daran verbrennen könnte. Das
Kristall projizierte ein Bild, das so groß war, wie eines der Bücher,
die in den Regalen standen. Die Kinder sahen weit in der Zeit zurück,
als die Welt noch von Dinosaurier beherrscht wurde. Aber nicht nur
Dinosaurier waren zu sehen. Über den Köpfen der größten Lebewesen,
die je auf der Erde lebten, schwebte ein Raumschiff. Die Kinder wollten
nicht mehr zu schauen. Das war ihnen wirklich zu viel. Als sie die
Bibliothek verließen, sahen sie an der Wand über der Tür ein kleines
Kreuz. An diesem Kreuz hing eine Figur, die offenbar einen zu Tode gequälten
Mann darstellen sollte. Voller entsetzen verließen sie den Ort des
Schreckens.
„Wir sollten das Kristall hier lassen, Ricky“, meinte
Vanessa.
„Nein, wir nehmen es mit. Ich weiß noch nicht was wir damit
machen sollen. Erst einmal werden wir es irgendwo verstecken.“
Die Kinder hatten von nun an ein Geheimnis, das sie niemals
preisgeben wollten. Die Angst, man könnte es ihnen weg nehmen, war zu
groß.
Vanessa und Ricky hatten erst einmal genug gesehen. Sie wagten in
den nächsten Monaten nicht, das Kristall zu benutzen. Sie wickelten es
in ein seidenes Tuch, legten es dann in eine Ledertasche und versteckten
es in ihrem Baumhaus, das ihre Eltern ihnen schon vor Jahren zum Spielen
bauen ließen. Die alte Bibliothek wurde fortan noch mehr gemieden als
bisher. Die Menschen hatten Angst vor ihrer Vergangenheit und verdrängten
diese. Sie wollten das Gewesene einfach nur vergessen. Sie glaubten,
jetzt, nach tausend Jahren Frieden, endlich die Vollkommenheit erreicht
zu haben. Sie redeten vom Aufbruch in eine neue Welt. Die Menschen der
Vergangenheit hielten sie für minderwertig und rückständig, deren
Fehler sie niemals begehen würden. Vanessas Vater war anderer Meinung.
Und bald schon war er damit nicht mehr allein. Auch Rickys Eltern hatten
Bedenken. Es bildete sich eine kleine Gruppe, die an den tausendjährigen
Regeln und Traditionen festhalten wollte. Sie wollten nichts verändern.
Alle Aufbruchsschreie versuchten sie niederzukämpfen. Seit langer Zeit
waren sich die Menschen wieder uneinig untereinander. Die kleine Gruppe
wurde mit der Zeit größer. Vanessas Vater war einer der wenigen
Menschen, die lange in alten Büchern studiert hatten. Er kannte die
Menschheitsgeschichte, wovor sich mittlerweile auch Vanessa und Ricky fürchteten.
Erde im Jahr 3215
„Wir sollten ihm von dem Kristall erzählen“, meinte Ricky
nachdenklich, als die beiden eines Abends wieder an ihrem Baumhaus
standen. Sie ertappten sich dabei, dass sie jetzt sogar schon das
Baumhaus mieden. Sie hatten es, seit sie das Kristall dort versteckten,
nicht mehr betreten. Es war ein wunderschöner sonniger Winterabend, als
sie mit dem Kristall in der Hand, zu Vanessas Eltern gingen.
„Das Kristall, wo habt ihr das denn her?“ fragte Vanessas
Mutter erschrocken.
„Der Alte hat es uns gegeben“, antwortete Ricky verlegen.
Ihnen war klar, dass sie ihre Eltern schon früher hätten
informieren müssen. Der Alte lebte mittlerweile nicht mehr. Er starb
einsam und alleine und hat auch weiter nichts hinterlassen. Dennoch
suchte man gleich nach seinem Tod, nach dem Kristall, dessen Existenz
ein Mythos war, an den die meisten Menschen nicht glaubten. Sie hielten
es für Geheimniskrämerei und dummes Gerede. Als sie nach dem Tod des
Alten das Kristall nicht fanden, waren sie in ihrer Annahme bestätigt.
Um so größer war das Erstaunen der Eltern der beiden, als das Kristall
dann doch noch auftauchte.
„Wir müssen es den Menschen zeigen“, sagte Vanessa besorgt.
„Nein, auf keinem Fall“, antwortete Jahn. Rickys Vater meinte
weiter: „Sie würden es zertrümmern. Sie würden es zerschlagen und
dann glauben, sie hätten damit ein für alle Mal die Vergangenheit
hinter sich gelassen und besiegt.“
„Es ist wie beim Turmbau zu Babel“, antwortet Peter, „sie
sprechen bald schon, nicht mehr dieselben Sprachen.“
Jahn wusste, was Peter meinte. Auch er hat sich mit der
Geschichte der Menschen intensiv beschäftigt. Die ersten Warnungen
kamen aus dem Jahr 2610, als die konservierten Menschen aus der
Vergangenheit aufgetaut wurden. Damals hatten die Gerechtesten unter
ihnen die neue Generation gewarnt. Eines Tages wird der Drache wieder
erwachen. Das waren ihre Worte. Das war auch der Anlass, warum es noch
Menschen gab, die in der Geschichte forschten, um herauszufinden, warum
sie das damals sagten.
Peter sah das Kristall intensiv und ehrfürchtig an. Alle anderen
taten es ihm nach. Es dauerte nur wenige Sekunden, da erstrahlte das
Kristall in einem grünen Licht. Ein seltsames Wesen war zu sehen. Es
war zweifellos kein Mensch. Seine spitzen Eckzähne und sein breiter
Mund erinnerten eher an ein Raubtier. Die Nase war platt und das Gesicht
eher breit und rechteckig. Das Wesen sagte nicht, wer es war. Es fing
gleich an zu reden:
„Ich
stamme von einem Volk, das die Menschheit mehr als einmal gerettet hat.
Ihr Menschen habt uns und andere mächtige Völker des Universums, für
Götter gehalten. Es ist eine Schwäche primitiver Völker, hinter jedem
unerklärbaren Phänomen, etwas Göttliches zu vermuten. Außerdem
glauben sie gerne an einen himmlischen Führer. Das nimmt ihnen die
Verantwortung für viele ihrer Taten. Sie verstehen nicht, was Gott
wirklich ist. Gott ist die Einheit der Menge aller Seelen des
Universums, im Zustand der Erleuchtung. Darum darf die Quelle derer, die
Weisheit und Wahrheit suchen, niemals versiegen. Wir haben das erreicht,
was viele von euch glauben, erreicht zu haben. Aber dazu muss man sich länger
bewähren, als tausend Erdjahre. Wenn eurer Volk den falschen Weg geht,
wird es eines Tages bestraft werden. Ihr müsst diesmal den richtigen
Weg alleine finden. Das wahre Paradies ist schwer zu finden. Nur wenige
Menschen wussten wo es liegt, aber ihr habt sie nicht verstanden. Ihr
habt nicht mehr viel Zeit es zu finden. Der Tag der Entscheidung rückt
immer näher. Die Wahrheit ist die einzige Waffe, mit der ihr euren
Feind besiegen könnt."
Das Wesen verschwand und das Kristall fragte, nach den Wünschen
des Betrachters.
„Keine Wünsche, danke", antwortete Kamila erschrocken.
Rickys Mutter setzte sich niedergeschlagen in einen Sessel. Jana,
Vanessas Mutter, versuchte sie zu beruhigen. Aber was sie da hörten,
war erschreckend. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten erhielten Menschen
eine Nachricht von einem göttlichen Wesen. Diese Nachricht hat die
Gruppe der Geschichtsforscher oder Pessimisten, wie man sie inzwischen
nannte, noch enger zusammengeschweißt. Vanessa
und Ricky lernten sehr viel über die Vergangenheit der Menschen. Denn
nur so konnte man die vielen weisen Worte der alten Dichter und Denker
verstehen, die sie hinterlassen haben. Diese Zitate waren zwar ein sehr
wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung, aber die Menschen, die tausend
Jahre Frieden und Harmonie erlebt hatten, konnten ihre Notwendigkeit
nicht mehr verstehen. So kam es, dass die alten Zitate aus der Zeit vor
dem großen Frieden, immer mehr durch eigene Zitate ersetzt wurden.
Weisheiten aus uralten Zeiten gerieten in Vergessenheit, wie auch die
Geschichte, vor dem großen Frieden, in Vergessenheit geriet. Die Gruppe
der Pessimisten wurde in den ersten Jahren ihrer Entstehung kaum ernst
genommen. Aber, die Zeichen der Zeit, bestätigte ihre Lehren immer
mehr. Das Kristall war fortan ihr Lehrmeister. Mit diesem Kristall, das
alten Legenden nach von den Sirianern stammen soll, konnten sie ihre
Verhaltensweisen besser vorausplanen. Sie erfuhren Geheimnisse, die in
keinem Buch zu finden war. Nun hatten sie einen Vorteil, von dem ihre
Feinde niemals etwas erfahren durften. Sie besaßen ein Orakel. Wenn die
Menschheit sich wirklich spaltet, mussten sie gut vorbereitet sein.
4.
Das verbotene Paradies Erde und Jupitermond Europa im Jahr 3216 Vanessas
Vater kritisierte immer wieder die Traumtests, die sich mehr und mehr in
der derzeitigen realen Welt abspielten. Das war bisher anders. Da gab es
noch Tests, die in allen Zeitaltern der Menschen handelten. Die Menschen
wollten ihre Charaktereigenschaften nicht mehr auf so strenge Art testen
lassen. Aber das war nur das kleinere Problem. Die Mondstadt auf dem
Jupitermond Europa war fast fertig. Die Arbeiter und Planer lebten schon
seit drei Jahren dort oben, auf dem Jupitermond. Diese Stadt sollte
selbstständig und unabhängig regiert werden. Man sprach auch schon von
mehreren Raumstädten, die im ganzen Sonnensystem gebaut werden sollten.
All diese Städte sollten dann ebenfalls unabhängig von der Erde
verwaltet werden. Somit war es auch möglich die Menschheit von drei
Milliarden, wesentlich zu erhöhen. Trotz der Zeichen der Veränderung
waren die meisten Mitbürger immer noch völlig sorglos. Sie lebten fröhlich
und vergnügt in den Tag hinein, und fühlten sich von jeglicher
Schwarzmalerei eher belästigt. Die Mitbürger, die von der ersten Idee
bis zum bauen der Weltraumstadt unnachgiebig planten, waren Mabon, sein
Vater Akmon, Mabons Frau Gaia und deren Kinder Odiana und Gar. Der jüngste
Sohn Kronos, beteiligte sich nur spärlich an der Planung und der
Umsetzung ihrer Vision. Die Stadt auf dem Jupitermond Europa wurde nach
den Anfangsbuchstaben ihrer ersten Planer und Erbauer benannt. Sie
nannten ihre Stadt Magog. Als Peter und Jahn den Namen hörten, sahen
sie sich entsetzt an. Die Erbauer der Stadt wussten nicht, was dieser
Name in den alten Sagen und Mythen bedeutete. Aber Peter und Jahn
wussten es, und das bestätigte sie, in ihren schlimmsten Befürchtungen.
Dennoch wollten ihre Mitmenschen nichts von einem bevorstehenden
Untergang ihres tausendjährigen Reiches wissen. Die Zeichen der Zeit
waren da. Man konnte sie deutlich sehen. Doch dazu musste man sehen und
hören können. Peter wünschte sich, die Gründer des tausendjährigen
Friedensreiches wären wieder hier; sie könnten die Gefahr erkennen.
Erde und Jupitermond Europa Jahr 3218 Vanessa
und Ricky gehörten von nun an zu einer Minderheit, die nicht ganz ernst
genommen wurde. Aber Vanessa entwickelte sich zu einer großen und sehr
intelligenten Kämpferin. Die Gruppe um Vanessas Vater wurde mit der
Zeit immer stärker. Da das alte System der Beichte und Traumtests auf
der Erde immer noch Bestand hatte, waren die Geschichtsforscher im
Vorteil. Sie bestanden Traumtests mit Bravour, woran andere kläglich
scheiterten. Somit kam eines Tages die Zeit, als die ersten
Geschichtsforscher in den hohen Rat gewählt wurden. Es schien so, als
ob die Geschichtsforscher immer stärker würden, und die Aussiedler
immer schwächer. Da aber die Stadt Magog inzwischen fertig gebaut war,
konnte die Planung der Weltraumunion, von dort aus weiter gehen. Das war
die Zeit, als sich die Menschheit endgültig in zwei Lager spaltete.
Menschen, die eine neue Zeit mit neuen Regeln wollten, verließen die
Erde. Sie wollten nach Magog. Zuvor verbrannten sie demonstrativ
Geschichtsbücher. So verrann die Zeit, und Vanessa wunderte sich immer
mehr, wie selbstverständlich ihre Mitmenschen Veränderungen
akzeptierten. Die Bewohner von Magog wollten mit den Menschen der Erde
anfangs noch in Frieden leben. So kam es, dass Vanessa und Ricky eines
Tages etwas sahen, was es schon seit tausend Jahren nicht mehr gegeben
hat. Sie sahen in ihrer Stadt, große Plakate mit Werbung. Die Bewohner
Magogs warben überall für ihre Pläne. Sie boten den Erdmenschen
Urlaub auf Magog an. Sie wollten den Menschen der Erde so beweisen, dass
ihre Gesellschaft wesentlich besser funktionierte, als die alte
Gesellschaft der Erde. Vanessa und Ricky waren inzwischen 18 Jahre alt.
Vanessa stand vor einem Plakat und las laut vor: „Erlebt die
Freiheit auf Magog! Löst euch von den Fesseln der Vergangenheit! Werdet
frei! Behaltet eure Geheimnissee für euch! Ihr habt das Recht dazu.“
„Das wäre schön, wenn es funktionieren würde, Vanessa. Aber
es funktioniert nicht. Es kann nicht funktionieren“, antwortete Ricky
bedrückt.
„Wir kennen die Geschichte der Menschen, Ricky. Darum wissen
wir, dass es nicht funktionieren kann. Die kennen die Geschichte
nicht.“
„Und diejenigen, die etwas darüber wissen, sagen, die Menschen
hätten eine Bewusstseinsveränderung erlebt, die künftig alles
Schlechte verhindert.“
„Ja, Ricky. Wenn sie die alten Bücher nicht verbrennen,
sondern genau lesen würden, wüssten sie, dass die beste
Bewusstseinsveränderung nicht von Bestand sein muss. Es ist sehr mühevoll
einen Berg zu besteigen, man kann aber sehr schnell wieder abstürzen.“
Trotz Aussiedler, die sich immer wieder von den Werbesprüchen
begeistern ließen, ging das Leben auf der Erde scheinbar reibungslos
weiter. Man versuchte, mit den Weltraummenschen in Frieden zu leben.
Doch, die Zeit bleibt nicht stehen.
„Ich möchte mich einmal mit Ricky auf Magog umsehen!“ sagte
Vanessa entschlossen zu ihren Eltern. „Drei meiner besten Freundinnen
sind da oben. Und denen scheint es dort so gut zu gefallen, dass sie gar
nicht wieder kommen wollen. Auch Rickys Freunde sind oben.“
„Ganz schlechte Idee“, meinte Jana. „Das ist zu gefährlich.
Das lass ich nicht zu. Außerdem ist Sammy schon oben. Das genügt.“
Sammy war ein Freund der Familien. Er gehörte zu der Gruppe der
Geschichtsforscher. Auch Sammy hatte die Idee, sich auf Magog umzusehen.
Er war schon vor Monaten dort hin geflogen.
Er wollte jedoch nicht als Urlauber dort hin, sondern als Agent.
„Wir
müssen uns dort umsehen“, bestätigte Ricky. „Wir müssen wissen,
wie sich das Leben dort entwickelt. Sammy muss sehr vorsichtig sein. Er
hat andere Möglichkeiten und andere Aufgaben. Wir wollen uns nur ein
wenig umsehen, dann kommen wir zurück. Wir wollen wissen, wieso so
viele Urlauber nicht zurück kommen. Wir müssen auch wissen, wieso die
Urlauber die zurückgekommen sind, so oft verträumt in der Gegend herum
laufen. Magog hat sie verändert. Was geht da vor?“
Atan, der Bürgermeister des Stadtbereich Ariel kam hinzu. Seine
Töchter Nani und Xenta waren bereits seit Januar verschwunden. Das
waren zwei der drei Freundinnen um die sich Vanessa sorgte.
„Erst haben sie sich begeistert gemeldet“, berichtete Artan.
„Alles wäre wunderbar und sehr schön. Dann hörte ich nichts mehr
von ihnen. Sie müssten längst wieder zurück sein. Auf Magog weiß man
offenbar nicht, wo sie sind. Ich gehe rauf! Ich will wissen was dort los
ist. Vielleicht hattest du damals doch recht Peter. Vielleicht ist die
Menschheit immer noch nicht bereit, eine neue Brücke zu bauen. Außerdem
vermissen noch einige andere Freunde von uns ihre Angehörigen.“
„Es gibt Möglichkeiten, euer Leben zu schützen“, antwortete
Jahn. „Das Kristall hat uns eine Menge Geheimnisse verraten, die wir
nutzen können. Diese Möglichkeiten werden allerdings euer weiteres
Leben gewaltig verändern. Wenn ihr das unbedingt wollt, werden wir es
machen.“
„Dann müssen wir eben diese Opfer bringen. Lasst uns nicht länger
warten. Fangen wie mit den Vorbereitungen an!“ sagte Ricky
entschlossen.
Die Geschichtsforscher hatten sich mit Hilfe ihres Orakels ein
geheimes Labor aufgebaut. Vanessa und Ricky wurden auf ihren Einsatz
vorbereitet. Sie wurden genetisch so verändert, dass sie über
gewaltige Körperkraft verfügten und nur schwer verwundbar waren. An
dieser Wissenschaft, hatte die Menschheit lange Zeit geforscht. Die
Anwendung oder ein Test an lebenden Wesen war jedoch strengstens
verboten. Artan wollte die Veränderung seines Körpers nicht. Er
hoffte, dass seine Töchter nur im Urlaubsrausch vergessen haben, wo ihr
zuhause war. Der nächste Urlaubsflug nach Magog war im Juni 3218
genehmigt worden. Es waren drei Passagiere mehr an Bord des
Raumtransporters.
|
| Best iPhone apps at AppStoreHQ | |||||