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| Himmelslichter: Basierend auf "ad astra" Heftserie, Band 54 und 55 Science-Fiction von Rüdiger Janson |
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Heftroman "ad astra"
Doppelband 54 und 55 Teil 1: "Ich
Kyra, Roboter" 68
Seiten. erhältlich bei: Shop Hary-Production Außerdem erhältlich sind beide Teile bei, AHavemann im Mohlberg-Verlag im Vss-Shop in Veras Buchladen
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Vorwort Diese Geschichte ist ein Traum von einer besseren Zeit. Aber in dieser neuen Zeit gibt es Probleme, die wir heute allenfalls erahnen können. Das menschliche Paradies ist voller Dornenbüsche. Wir gehen in ein neues Zeitalter, das mit nichts aus der Geschichte der Menschen vergleichbar ist. Wird die Wissenschaft in ihrer risikoreichen Forschung eines Tages zu weit gehen? Wird die Vernunft über die Gewalt und den Wahnsinn siegen? Falls es doch Außerirdische gibt, werden sie uns akzeptieren, wenn wir nach den Sternen greifen? Ist der Mensch wirklich für das Paradies geschaffen? In Himmelslichter fehlt keines dieser Themen. Diese Geschichte passt sehr gut in die heutige und zukünftige Zeit, mit all den Bildern des Schreckens. Es werden auch Konflikte mit Androiden beschrieben, die so perfekt konstruiert werden, bis sie eines Tages ein Bewusstsein erlangen und selbstständig zu denken beginnen. Und es gibt Konflikte mit uralten außerirdischen Rassen, die den Menschen niemals trauen wollen und sie in ihrer Entwicklung heimlich behindern. Aber auch die Außerirdischen, die von den Menschen in ihrer Geschichte versehentlich als Götter bezeichnet wurden, sind uneinig untereinander. Der Leser wird daher auch auf spannende Weise mit der Vergangenheit der Menschheit konfrontiert: mit der Eroberung Amerikas, wie mit den mächtigen Pyramidenbauten der Inkas. Es werden Parallelen gezogen mit Gottheiten und Mythen aus längst vergangenen Zeiten. In Himmelslichter steht die Menschheit vor einer schweren Prüfung, die ihnen von diesen „Himmlischen Wesen" auferlegt wurde. Die Menschen stehen vor der Frage, ob sie jemals den Weg zur Vollkommenheit schaffen, oder ob sie ewig „nur Menschen" sein werden. Die Menschheit steht vor ihrem letzten und größten Schritt ins Paradies. Einem Paradies, das immer so nahe war und das doch niemand finden konnte. |
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1.
Prolog Es steht geschrieben, dass Gott die Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Meine Freunde und ich wurden nach dem Ebenbild der Menschen geformt. Mein Name ist Kyra. Ich bin eine Androidin. Ich wurde im Jahr 2245 zusammen mit 99 anderen Androiden gebaut. Unsere Baureihe war jedoch so perfekt, dass einige von uns eines Tages die unglaubliche Hürde, von leblosen Maschinenwesen zu lebendigen und empfindsamen Geschöpfen, überwanden. Wir wurden in einer Zeit gebaut, in der die Menschen lernten, eine gewaltlose Welt zu gründen. Es begann eine Zeit des Friedens, der Harmonie und der Brüderlichkeit; und es begann eine Zeit, in der die Menschen aufbrachen, um die Weiten des Universums zu erforschen. Die Menschen wollten im Weltall neue Paradiese finden und auf der Erde ein neues Paradies formen. Sie waren sich so einig und verstanden sich wieder so gut, wie einst vor dem Turmbau zu Babel. Zu Beginn des 23. Jahrhunderts begannen alle Völker, Rassen und Religionen ein gemeinsames Ziel zu suchen. Die Menschen wussten damals nicht, ob sie das Paradies je erreichen werden. Aber sie wussten, dass sie ihm, wenn alle mithelfen, ein gutes Stück näher kommen konnten. Doch nicht alle Menschen waren bereit neue Wege zu gehen. So kam es, dass wir, die nach dem Ebenbild der Menschen geschaffen wurden, es schwer hatten bei unseren Schöpfern anerkannt und respektiert zu werden. Aber auch die Menschen hatten es schwer im Weltall anerkannt und respektiert zu werden. Des Menschen Ruf im Weltall war schlecht. Als die Völker des Universums erkannten, dass der Mensch nach den Sternen greift, bekamen sie es mit der Angst zu tun. Sie hatten Angst vor dem technischen Fortschritt der Menschen. Sie glaubten, dass die Menschen zwar kreativ, aber nicht dementsprechend vernünftig waren, und dass sie sich immer noch zu sehr von Instinkten leiten ließen, die ihnen seit Urzeiten angeboren sind. Dieses Misstrauen der galaktischen Völker hatte ungeahnte Folgen. Das war der Grund, dass — obwohl uns die Menschen anfangs nur als minderwertige und seelenlose Androiden bezeichneten — eines Tages alle Hoffnung bei uns, und einem Sonnengott der Inkas, lag |
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2.
Götterspiele Das
Jahr 2246 war ein ereignisreiches Jahr. Zum ersten Mal wurden Raumschiffe mit
neuen Triebwerken ausgerüstet. Diese lasergezündeten Fusionstriebwerke ermöglichten
es den Menschen zum ersten Mal, in bisher unerreichbare Regionen des Weltalls
vorzudringen. Eines dieser Raumschiffe war die legendäre Sitting Bull; das
erste Raumschiff, das man in einen Asteroiden hineinbaute, indem man ein
vorhandenes Höhlensystem benutzte. Dieses Raumschiff wurde, neben zwei anderen,
zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, für eine weite Reise zu den
Sternen vorbereitet. Die Sitting Bull sollte damals, mit 68 Mann Besatzung,
fremde Sonnensysteme erforschen, neue bewohnbare Welten aufspüren oder
geeignete Planeten bewohnbar machen. Die Planeteningenieure nannten dies
Terraforming. Meine
Geschichte beginnt am Montag, dem 29. Januar 2249. Das war der Tag, als ich zum
ersten Mal die Schönheit des Universums begriff. Es war für mich ein sehr
erschreckendes Erlebnis. Von den 100 Zeta-Modellen formten die Menschen fünfzig
weibliche und fünfzig männliche Androiden. Dabei formten sie uns nach ihren
Vorstellungen so schön und perfekt, dass es deutlich wurde, dass sie uns nicht
nur brauchten, um zu arbeiten, sondern auch für ihr Vergnügen. Ich gehörte,
mit fünf weiteren weiblichen Androiden der Zeta-W-Reihe, zum Inventar der
Sitting Bull. Man gab mir einen makellosen Körper, weiße Haare und blaue
Augen. Mit meinem Aussehen gaben sich die Menschen große Mühe. Meine
Bezeichnung war Zeta Alpha 3. Wir waren unterwegs nach Achele, einem Planeten im
Epsilon-Eridani-System. Die Reise nach Achele sollte drei Jahre dauern. Für das
Wohlergehen der Mannschaft war gesorgt. Wir Androiden benötigten kein
Wohlergehen. Das glaubte man damals jedenfalls. Nur Ellen Handerson, eine
Kybernetikerin, die an meiner Entwicklung beteiligt war, begann zu zweifeln. Sie
war die Chefingenieurin und Kybernetik-Spezialistin auf dem Schiff. Aber außer
Ellen hat uns kaum ein Besatzungsmitglied respektvoll behandelt. Wir waren so
eine Art moderne Sklaven, konstruiert, um zu arbeiten und zu dienen. Alles
lief den Wünschen und den Vorstellungen der Menschen entsprechend normal, bis
zu dem Tag, als ich begann, mein Dasein zu ergründen. Ich war gerade im
Maschinenraum beschäftigt, als ich meine Existenz zu begreifen begann. Wir
hatten noch nicht ganz die Hälfte unseres Weges nach Achele zurückgelegt, als
ich von diesen Gefühlen überwältigt wurde. Eigentlich durfte ich keine Gefühle
empfinden. Meine Programmierung war auch nicht geeignet, mit solch einer
Situation fertig zu werden. Auslöser dieses Erwachens war vermutlich mein
Spiegelbild, das ich auf einer Anzeigetafel sehen konnte. Erst erkannte ich
darin einen anderen Android, der wohl irgendwie in dieser Anzeigetafel war. Doch
dann bemerkte ich, dass ich das war. Mein Spiegelbild hatte ich noch nie
registriert. Doch nun verstand ich es plötzlich als eine zu mir gehörende,
sehr wichtige Erscheinung. Ich habe meinen Körper begutachtet und ihn als
meinen Eigenen angesehen. Ich lebte und hatte ein ICH bekommen. Ich spürte, was
es heißt, sich seiner bewusst zu sein. Aber ich wusste nicht, wieso ich bin und
wo ich davor war? Mit dieser neuen Erkenntnis wurde ich einfach nicht fertig.
Alles um mich herum war so anders. Ich saß da und war nicht in der Lage,
irgendetwas zu tun. Ich schrie auf, wie ein Baby nach der Geburt. Ja, ich weinte
sogar. Und ich war allein, so schrecklich allein. Heute weiß ich, dass ich
entsetzliche Angst hatte. Ich entwickelte mich in einer für Menschen nicht
nachvollziehbaren Geschwindigkeit. Wenn ein Menschenkind geboren wird, hat es
viel Zeit, sich zu entwickeln. Es hat auch viel Zeit, die Welt zu begreifen, in
der es lebt. Aber bei mir war das anders. Die Daten in meinem Speicher überhäuften
mich mit einer Flut von Gefühlen. Emotionelle Daten, die eigentlich nicht zu
meiner ursprünglichen Programmierung gehörten, donnerten wie Lawinen auf mich
ein. Es war eine unglaubliche Flut von Empfindungen, die mich in Form von Musik,
Geschichten, Filmen oder Kunstwerken beschäftigte. Diese Daten musste ich jetzt
begreifen und damit fertig werden. Mich quälte etwas, was ich vorher nicht
hatte, mich quälte eine Seele. Man könnte sagen, ich aß vom Baum der
Erkenntnis. Ich begann gut und böse, Kunst und Kultur, Literatur und Musik zu
begreifen. Wir Androiden waren meisterhafte Musiker, aber wir konnten nicht
empfinden, was wir spielten. Das war nun alles anders. Ich konnte von nun an
Musik spüren. Ich konnte traurig oder fröhlich sein. Ich begann Worte zu
begreifen wie Ehre, Stolz und Gewissen. Alles war so neu für mich. Und alles
ging so schrecklich schnell. Ich konnte das Lernen und Bewusstwerden einfach
nicht stoppen. Ich versuchte, meine Empfindungen zu verdrängen. Aber dass das
selbst Menschen nicht immer gelingt, hab’ ich nicht gewusst. Zwei Stunden nach
meinem Erwachen fand mich Ellen. Sie war es, die meine Speicher mit Daten
versorgte, die eigentlich nicht zu meiner Programmierung gehörten. Aber auch
Dr. Ellen Handerson konnte nicht wissen, wie schnell ich nun begann diese Daten
zu verarbeiten und wie sehr mich diese Flut von Emotionen nun belastete. Ich saß,
wie eine arme Sünderin, in einer Ecke und kauerte vor mich hin. Ellen bemerkte
sofort, dass mit mir etwas nicht stimmt. Es waren auch die Gesten, die mich
verrieten. Androiden gestikulieren nie. Ich saß da wie ein Mensch, der gerade
dabei war, den Verstand zu verlieren. Ellen sah mich lange und ungläubig an.
Sie kam langsam auf mich zu und schüttelte fassungslos den Kopf. „He
Kleines, was ist denn mit dir passiert?“ Sie kniete sich vor mir nieder,
fasste mich vorsichtig bei den Händen und meinte weiter: „Mein Gott, jetzt
schon? Ich wusste ja nicht, dass es so schnell gehen würde und dass es so
schlimm sein wird.“ Ich
sah sie an und wusste nicht, ob es nun gut oder schlecht war, dass sie mich
fand. Ellen hatte damals schon etwas Angst vor mir gehabt, aber sie hatte sich
über das Erwachen so sehr gefreut, dass sie ihre Angst verdrängte. Sie wusste
vorher nicht, dass das Erwachen so schnell und in einem solchen Ausmaß
geschehen würde. Als sie bemerkte, was mit mir geschah, war ihr Mitgefühl größer
als ihre Angst. Ich jedenfalls war froh, dass jemand da war, der mir helfen
konnte. Ich sah sie voller Hoffnung an. In meinem Blick leuchtete die Kraft des
Lebens. Ellen konnte das deutlich spüren. Dann geschah etwas Wunderbares. Ich
spürte zum ersten Mal in meinem neuen Dasein Barmherzigkeit und Mitgefühl. Sie
nahm mich zärtlich bei den Händen und sagte: „Komm
Kleines, steh auf! Ich bringe dich erst mal in mein Quartier. Dort kannst du
dich etwas erholen. Du bist nicht mehr allein. Du brauchst wirklich keine Angst
zu haben. Ich werde dich beschützen. Dir darf niemand etwas tun. Alles wird
gut, glaub mir! Ich weiß, du hast jetzt große Angst, aber das brauchst du
nicht.“ Sie
blieb bei mir und tröstete mich weiter. Sie legte mich in ihr Bett, deckte mich
zu und erzählte mir eine Kindergeschichte. Androiden schlafen eigentlich nicht,
aber Ellen hatte vorgesorgt. Sie hatte mich auf das Erwachen vorbereitet, sodass
es mir möglich war, mich geistig völlig zu entspannen. Ich befand mich schnell
in einem sehr erholsamen entspannten Zustand und fing sogar an zu träumen. Ich
begriff damals nicht, wie beunruhigt die Mannschaft war. Es herrschte höchste
Alarmbereitschaft. Ich bekam davon nichts mit. Ellen war für mich
verantwortlich. Sie versuchte alle zu beruhigen. Aber das Misstrauen war nun mal
da. Die
folgenden Tage waren sehr aufregend für mich. Es gab einiges zu lernen. Ich
ging mit Ellen auf Entdeckungsreise. Sie zeigte mir Rosen, deren Schönheit ich
früher nie begreifen konnte. Ich bewunderte das ganze Schiff. Ich lief hin und
her und war begeistert von allem, was es da zu entdecken gab. Ich durfte sogar
mit einer Katze spielen. Dass ich dabei mehrere Mannschaftsmitglieder anrempelte
und verletzte, und auch kaum zu stoppen war, war mir nicht bewusst. Ellen hatte
Mühe mich zu bremsen. Die Mannschaft ging mir von da an aus dem Weg. Man hatte
eben Angst vor mir. Ich war schließlich ein Wesen, das es im Kampf mit zehn kräftigen
Männern gleichzeitig hätte aufnehmen können. Dennoch machten einige
Besatzungsmitglieder ihren Spaß mit mir. Sie programmierten den Computer mit
rhythmischer Musik aus Südamerika. Ich fing sofort ungehemmt zu tanzen an und
bewies, dass ich vermutlich die schlechteste Tänzerin im gesamten Universum
war. Die Mannschaft amüsierte sich jedenfalls köstlich über meinen Bärentanz.
Es gab jedoch andere Dinge, die ich wesentlich besser konnte. Ich entdeckte
immer neue Fähigkeiten in mir. Ellen lehrte mich, meine Kreativität und
Fantasie zu nutzen. Ich malte Bilder und musizierte mit großer Freude. Aber
trotz Ellens Bemühungen fiel es mir schwer, die Menschen zu verstehen. Meine
Speicher waren zwar voller Daten, aber vieles davon war für mich einfach
unbegreiflich. Warum gab es früher Kriege? Warum waren die Menschen oft so
grausam? Und warum glauben die Menschen an Dinge, die sie nicht sehen können
und für die es keine überzeugenden Beweise gibt? Alles war so verwirrend.
Ellen gab sich die größte Mühe mir alles verständlich zu erklären. Aber sie
tat sich in vielen Dingen doch etwas schwer. Es war wohl nicht gerade leicht,
einem logisch denkenden Androiden die Welt zu erklären. Es gab auch Dinge, die
wollte ich einfach nicht verstehen. Das Terraformen war mir ein großer Dorn im
Auge. Meiner Meinung nach hatten die Menschen einfach nicht das Recht, einen
unbewohnbaren Planeten bewohnbar zu machen und lieber Gott zu spielen. Ich hatte
damals das Problem, dass ich immer öfter über Gott und die Welt nachdachte.
Aber außer Ellen versuchte niemand mir eine Richtung zu weisen. Man kritisierte
nur meine Äußerungen. Dabei sahen sie mich immer so seltsam an. Ich wusste
damals noch nicht, dass der Captain mich überwachen ließ und meine
weltanschauliche Konzeption an die Erde weitermeldete. Zwei
Wochen später wachte Lara auf. Sie hatte rot Haare und rote Augen. Ihre
Bezeichnung war Zeta Omega 2. Ich habe mich sofort um sie gekümmert. Sie machte
das Gleiche durch wie ich. Der erste Steuermann hatte sie gefunden und mich
sofort informiert. Sie hatten alle Angst vor ihr. Vom Charakter her war sie
etwas unbeherrschter als ich. In diesem Zustand war sie unberechenbar und von
der Mannschaft war niemand in der Lage sie festzuhalten. Ellen war wie eine
Mutter zu uns. Sie war immer für uns da. Wir hatten großes Vertrauen zu ihr.
Das war auch notwendig, denn von nun an waren Konflikte mit der Mannschaft
vorprogrammiert. Ich war froh in Lara nun eine Gefährtin zu haben, die so war
wie ich. Nun war ich nicht mehr allein. Als Lara sich etwas erholt hatte,
bestellte uns Captain Nilson zu sich. Es war Montag, der 12. Februar 2249. Der
Captain war ein sehr erfahrener Mann, der schon viele Jahre Dienst in der
Weltraumflotte vorweisen konnte. Wir standen wie zwei kleine Mädchen vor dem
sehr kräftigen Zweimetermann. Er setzte sich in seinen Sessel hinter seinem
Schreibtisch und sah uns besorgt an. Lara hatte noch ein wenig Angst. Sie suchte
unauffällig meine Hand. Für sie war ich wohl so etwas wie eine große
Schwester. „Bitte,
nehmt doch Platz“, sagte der Captain und zeigte mit einer einladenden Geste
auf zwei Sessel, die vor seinem Schreibtisch standen. Das hätte er früher nie
getan. Androiden müssen nicht sitzen. Aber das war ja von nun an alles anders. „Wie
geht es euch?“, fragte er mit ruhiger Stimme. „Es
geht uns gut“, antwortete ich knapp. Lara nickte nur zustimmend. Der Captain
lehnte sich in seinem Sessel etwas zurück und fragte: „Was
mach’ ich nun mit euch beiden? Wir können ja nicht so tun, als ob nichts
gewesen wäre. Euren regulären Dienst könnt ihr jedenfalls nicht so weiter führen
wie bisher, da ihr jetzt auch Ruhepausen zur Entspannung eures Geistes benötigt.
Was ist eigentlich von eurer Programmierung übrig geblieben? Kann ich mich noch
auf euch verlassen?“ Ich
antwortete: „Programmierungen sind für uns nur noch Anweisungen, wie sie auch
die Besatzung bekommt. Wir können sie auch verweigern, wenn wir wollen. Aber
wir haben schon verstanden. Wir wissen, wie wir uns zu verhalten haben. Wir
werden ihre Befehle befolgen.“ Der
Captain stand auf und ging langsam zu einem Fenster. Er betrachtete die Sterne
und meinte: „Das
Universum hat mich schon von Kindheit an fasziniert. Ich wollte schon immer das
Geheimnis dieser Himmelslichter ergründen. Da draußen gibt es unzählige Rätsel,
Geheimnisse und Wunder, die nur darauf warten, von uns entdeckt zu werden. Wer
weiß, was uns alles erwartet. Fremde Intelligenzen, Raumschiffe, Naturwunder.
Wir sind auf der Suche danach.“ Dann
drehte er sich zu uns um, sah uns einen kurzen Augenblick schweigend an und
sagte: „Doch das größte Wunder aller Zeiten fand hier auf meinem Schiff
statt. Zwei Maschinen fangen an zu denken. Die Wissenschaftler haben immer
gesagt, dass diese Grenze vom Maschinenmensch zum Bewusstsein empfindenden Wesen
nie überschritten werden kann.“ Der
Captain steckte die Hände in die Hosentaschen und ging langsam im Raum auf und
ab. Lara hatte immer noch etwas Angst. Sie schaute wie ein kleines Kind,
misstrauisch und trotzig zum Captain. Der wiederum setzte sich schließlich in
seinen Sessel und überlegte noch eine Weile. Dann meinte er: „Ich
habe bereits Verbindung mit der Erde aufgenommen. Wenn wir nicht schon so weit
von Zuhause entfernt wären, müssten wir sofort umkehren. Ich kann euch sagen,
dort war man nicht sehr begeistert von eurem plötzlichen Eigenleben. Man hat
Angst, dass noch mehr aus eurer Baureihe erwachen. Ihr habt keine Ausbildung,
wie sie meine Mannschaft vorweisen kann. Wisst ihr überhaupt, was Disziplin
ist? Ihr habt keine Lebenserfahrung. Im Grunde genommen seid ihr kleine Kinder
mit riesigen körperlichen Kräften und einer unglaublichen Intelligenz. Ich
muss vorläufig jeden Schritt von euch überwachen lassen. Ihr könnt euch eine
Unterkunft einrichten, wenn ihr wollt. Groß genug ist unser Schiff ja. Ihr
werdet künftig vom ersten Offizier, Commander Decker, zur Arbeit eingeteilt. Er
wird auch testen, ob ihr wirklich gehorsam und diszipliniert genug seid, um
euren Dienst auf diesem Schiff fortzusetzen. Meldet euch bitte umgehend bei ihm.
— Ihr könnt also Befehle befolgen? Na, ich bin gespannt, ob das auch wirklich
funktioniert. Ich erwarte keine Widersprüche, wenn ihr einen Befehl bekommt.
Das Terraformen scheint euch ja nicht so zu gefallen, aber ihr habt auch solche
Befehle auszuführen, die nicht eurer Überzeugung entsprechen. Wieso habt ihr
eigentlich etwas gegen das Planetenformen? Für uns bedeutet das eines Tages,
neuen Lebensraum zu besitzen. Unsere Sonne scheint nicht ewig, und die Weltbevölkerung
braucht auch neuen Lebensraum.“ „Captain,
es mag sein, dass ich noch so vieles nicht verstehe“, antwortete ich
vorsichtig. „Aber so wie ich die Sache jetzt sehe, machen die Menschen einen
großen Fehler.“ Lara
zupfte mich am Arm. Sie wollte gehen. Aber ich wollte meine Meinung zu diesem
Thema unbedingt los werden. Für mich war dieses Thema nun mal ein rotes Tuch. „Sind
sich die Menschen überhaupt im Klaren darüber, was sie da anrichten?“,
fragte ich weiter. „Mit der Venus hat alles begonnen. Irgendwann ist es so
weit. Dann wird dort Leben entstehen. Für alles Leid und Elend, das dann
vielleicht auf diesem Planeten entsteht, seid ihr verantwortlich. Wie viel
Unheil haben Menschen angerichtet, bis sie einigermaßen vernünftig miteinander
umgehen konnten? Mit dem Umformen eines Planeten lasst ihr dort auch gut und böse
entstehen. Es geht hier nicht nur um ein wenig Mutterboden oder ein paar Bäume.
Ihr wollt neuen Lebensraum schaffen, obwohl ihr wisst, dass dann dort neues
fremdes Leben entstehen kann. Warum will niemand über die Folgen des
Terraforming nachdenken? Wenn man das glaubt, was in uralten Schriften steht,
soll der Erde ein ähnliches Schicksal widerfahren sein. Fremde Wesen mischten
sich in die natürliche Entwicklung der Erde und des Menschen ein. Was ist, wenn
durch eure Schuld intelligentes Leben entsteht. Wollt ihr dann das Gleiche
machen? Also, es tut mir Leid, aber ich kann mich mit diesem Gedanken nicht
anfreunden. Ich sehe noch ein, dass sich die Menschen ein Ausweichquartier
suchen, falls einmal ein großes Unglück geschieht. Aber ihr wollt eure Spuren
ja im gesamten Universum hinterlassen. Das ist meine Meinung über dieses Thema.
Die Menschen haben einfach nicht das Recht Gott zu spielen. Wenn die Natur Leben
entstehen lässt, ist das etwas anderes. Aber wenn die Menschen dies tun, müssen
sie auch bereit sein, die Verantwortung für alles Leid und Elend zu übernehmen,
das dann dort geschieht. Aber vielleicht bin ich noch zu klein, um alles richtig
zu verstehen. Das sagt man doch immer zu Kindern, wenn sie etwas nicht
verstehen, oder?“ „Ja,
richtig“, antwortete der Captain lächelnd. „Das sagen wir zu unseren
Kindern, wenn sie etwas nicht verstehen. Außerdem ist es nicht eure oder meine
Aufgabe darüber zu entscheiden. Wir befolgen nur Befehle.“ „Blinder
Gehorsam, ohne eine eigene Meinung zu haben?“, fragte ich. „Ich dachte, dass
nur wir Maschinen sind. Aber ihr seid es offenbar auch. Ihr werdet, wie wir, von
höher gestellten Wesen programmiert, um zu gehorchen.“ „Nun
gut, wir können ja später noch darüber reden“, meinte der Captain
ausweichend. „Ich muss jetzt auf die Brücke. Habt ihr noch Fragen?“ „Nein“,
antwortete ich. „Außer einer Kleinigkeit vielleicht.“ „Und
das wäre?“, fragte der Captain unwillig. „Lara
und ich haben uns über ein gewisses Thema unterhalten. Wir möchten Sie bitten
für uns die Menschenrechte geltend zu machen. Wir möchten nicht mehr mit
irgendwelchen sexuellen Dienstleistungen belangt werden. Wir sind jetzt keine
seelenlosen Wesen mehr, denen es nichts ausmacht benutzt zu werden. Wir bitten
Sie dafür zu sorgen, dass wir künftig nicht wieder sexuell belästigt
werden.“ „Sonst
noch was?“, fragte der Captain mit hochrotem Kopf. „Nein,
das wäre alles“, antwortete ich. Dann
sagte er nur noch: „Wegtreten.“ |
1. Prolog
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